Bild einer Unterrichtssituation

Instituto Politécnico de Lisboa, Portugal

Blogeintrag 3 - Zwischen Corona Tests und Pastéis de Nata

26.05.2021 | Instituto Politécnico de Lisboa

Gerade eben als ich diesen Artikel schreiben wollte, hat mich die Mail von meiner Uni in Lissabon erreicht, in der steht, dass der Präsenzunterricht doch nicht wie geplant nächste Woche Montag stattfinden kann, sondern erstmal noch um eine Woche verzögert wird. Leider haben sich einige Studenten vom Instituto Politecnico de Lisboa mit dem Virus infiziert und die Uni hat somit entschieden, dass erstmal weiterhin der Unterricht im digitalen Format ablaufen soll obwohl der Inzidenzwert in Portugal knapp unter 40 liegt. Ich bin sehr gespannt, wie es weiter geht und ob die Uni dann überhaupt noch Präsenzveranstaltungen anbietet.

Mein Flug verlief eigentlich reibungslos, achja bis auf die Tatsache, dass sich das Labor ewig Zeit gelassen hat mir mein Testergebnis zu schicken, obwohl ich sie glaube ich zehnmal davor gefragt hab, wann das Testergebnis genau da sein wird... Um ein Haar hätte ich den teuren PCR Test für 250€ am Flughafen machen müssen. 

Ich bin nun bereits seit einigen Tagen im wunderschönen Lissabon und fühle mich bereits pudelwohl. Es ist einfach noch viel viel schöner als ich es mir vorgestellt habe und ich genieße gerade jede Sekunde.  Außerdem versuche ich jeden Tag aufs Neue motiviert zu sein und meine bescheidenen Portugiesisch Sprachkenntnisse auszupacken. Ich bin zwar wirklich recht gut in Spanisch aber Portugiesisch ist einfach nochmal eine andere Nummer. Es hört sich jedes Mal an, als wäre es eine Kreuzung aus Spanisch und Russisch. 

Natürlich habe ich auch die leckeren Pastéis de Nata probiert, welches ein Blätterteigtörtchen mit Pudding ist. Pastel de nata wurden im 18. Jahrhundert von Mönchen im Hieronymuskloster in Santa Maria de Belem erfunden. Zu jener Zeit war es üblich, Eiweiß als Stärke für die Tracht der Nonnen zu verwenden – wodurch den Mönchen natürlich jede Menge Eigelb übrigblieb. Um es aufzubrauchen, begannen sie, leckere kleine Törtchen damit zu backen. Heute ist die nahe des Klosters gelegene Fábrica de Pastéis de Belém angeblich der einzige Ort in Portugal, wo du Törtchen nach dem Originalrezept serviert bekommst (die Törtchen heißen hier übrigens Pastéis de Belém, nicht Pastel de nata).

Ein altes portugiesisches Sprichwort besagt „Eine Braut, die ein Törtchen isst, wird ihren Ring nie mehr abnehmen.“ Daher sieht man in der Fábrica de Pastéis de Belém öfter Frischvermählte, die sich als Glücksbringer dort ein Törtchen oder zwei genehmigen. Ich habe zwar nicht vor, jetzt zu heiraten aber eins der köstlichen Törtchen esse ich definitiv überall  gerne! Und wer weiß, vielleicht hilft es ja schon mal vorbeugend für meine zukünftige Ehe, Vorsorge schadet ja nie :D 

Nur bei einer Sache bin ich gerade etwas unschlüssig. Es finden eigentlich jeden Tag Hauspartys statt, immer mit ungefähr 50 bis 100 Leuten, meistens sogar in geschlossenen Räumen. Jedes Mal wieder werde ich eingeladen und alle meine Freunde von der Uni gehen dort auch hin aber ich hab bisher einfach kein so gutes Gewissen. Ich bin so dankbar über die Offenheit der Leute aber ich bin gerade sowieso schon komplett reizüberflutet und warte einfach noch ein bisschen ab bevor ich mich in das wilde Partyleben stürze.  Ich bin so dankbar, dass Portugal uns Erasmus  Studenten hier aufgenommen hat und ich weiß auch wie diszipliniert die Leute hier waren, was sich eben darin zeigt, wie schnell sich die Situation wieder ins positive entwickelt hat. Ich würde mich schlecht fühlen mich jetzt hier sozusagen „aufzuführen“ und mich nicht an die Regeln zu halten. 

Außerdem bin ich einfach nur dankbar in Cafés, Museen und Bars zu gehen, am Strand zu liegen oder eben auch bald wieder in die Uni zu dürfen, all das, was in Deutschland noch lange nicht erlaubt ist. Ich brauche gerade keine riesigen Partys. Noch dazu kommt, dass ab nächster Woche einige Events von Erasmus Life Lisboa beginnen, wie zum Beispiel der Ausflug nach Nazaré, auf den ich mich schon sehr freue und wer weiß, vielleicht habe ich dort sogar noch die Möglichkeit Surfen zu lernen. 
„Lissabon ist eine der kleinsten Hauptstädte Europas, wird aber von vielen Besuchern als eine der schönsten und angenehmsten Städte angesehen.“ Ich weiß zwar nicht mehr genau, wo ich das gelesen habe aber ich kann es nur bestätigen. Es ist schön überschaubar hier, man lernt sofort tolle neue Leute kennen aber hat trotzdem dieses Gefühl von Freiheit und nahezu überall wo man hinkommt hat man diesen Blick in das Weite, in die Ferne. Es ist keine hektische Stadt, hier lernt man abzuschalten, sich treiben zu lassen.

Ich brauche keine Morgen Meditation, ich brauche nur einen Sonnenaufgang am Miradouro de Santa Luzia, einer der schönsten Aussichtspunkte in Portugal, das übrigens auch das Land des Lichts genannt wird. Und von diesem magischen Licht will ich mich die nächsten Wochen noch mehr einhüllen lassen.  
 


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