Studierende und ein Dozent vor einem Whiteboard

Université Sorbonne Paris Nord, Frankreich

Blogeintrag 4 - Mein Campus in Bobigny

Bobigny ist ein Banlieu (Vorort) von Paris. Zwischen Krankenhaus, Tankstelle, einem Studentenwohnheim und Autowerkstätten befindet sich hier, mitten im Industriegebiet, der Campus Bobigny der Université Sorbonne Paris Nord. In meiner zweiten Studienwoche im Januar konnte ich endlich meine Klasse kennenlernen. Und ja, ich sage mit Absicht „Klasse“, da wir in meinem Vertiefungsbereich gerade mal 25 Studierende sind und alle Kurse gemeinsam belegen. Meine Kommiliton:innen sind im Alter von 18 bis 24 Jahren, wodurch ich am Anfang mehr das Gefühl hatte in eine 12. Klasse gesteckt worden zu sein. Ich studiere hier den Studiengang „DUT Carrières Sociales – Option Animation socioculturelle et socioeducatif“. Mit dieser zweijährigen Ausbildung kann man ein „Diplôme Universitaire de Technologie“ (DUT) erhalten und im Anschluss im Bereich der Sozialen Arbeit arbeiten oder in einem weiteren Jahr den Bachelor der Sozialen Arbeit absolvieren, der dann auch international anerkannt ist. In unserem Schwerpunkt lernen wir Methoden für die Leitung von unterschiedlichen Klient:innen-Gruppen, wie beispielsweise Jugendlichen, Kindern, Menschen mit Behinderung oder Methoden für die Gesundheitshilfe. Ein Fokus liegt dabei auf der Eingliederungshilfe für diese Menschen, jedoch auch der soziokulturellen und erzieherischen Sozialen Arbeit. Spannend für mich ist dabei vor allem, das französische Sozialsystem mit seinen Ähnlichkeiten und Unterschieden zum deutschen Sozialsystem kennenzulernen.

Als ich am Montagmorgen in die Uni fuhr, war ich sehr aufgeregt. Zum Glück war die Metro und Straßenbahn sehr pünktlich und ich kam bereits 15 min vor Vorlesungsbeginn an. Mit dem Ankommen meiner Mitstudierenden musste ich feststellen, dass es auch für sie eine Überraschung war, nun für den Rest des Semesters eine Erasmusstudentin in ihrer Klasse zu haben. Sie waren alle sehr interessiert und fingen direkt an das Lied „Mein Hut, der hat drei Ecken“ zu singen, welches sie im vergangenen Semester in einem Deutschkurs gelernt hatten. Damit war das Eis gebrochen. Alle meine Unterrichtsfächer fanden auf Französisch statt, was mir, um ehrlich zu sein, etwas Bauchschmerzen bereitete. In der ersten Stunde war ich jedoch überrascht, wie viel ich verstand und dass ich währenddessen sogar Notizen mitschreiben konnte. In anderen Fächern war es für mich teilweise schwerer zu folgen. Beispielsweise, wenn die Lehrenden sehr schnell oder undeutlich gesprochen haben, oder der Beamer nicht funktionierte und deswegen die Präsentation nicht gezeigt werden konnte. Auch, dass sich der Stundenplan jede Woche änderte, war für meine Orientierungsphase nicht sehr hilfreich. Die ersten Studienwochen waren dementsprechend sehr überfordernd für mich. Es gab viele Hindernisse zu bewältigen. Ich musste mich immer wieder an mein Motto erinnern: weiterhin mutig sein. Mutig sein, französisch sprechen, auf neue Menschen zuzugehen und mich vorzustellen, immer wieder nachzufragen, wenn ich etwas nicht verstanden habe. Und wenn sich alles viel zu viel anfühlt, den Mut nicht zu verlieren. Zum Glück habe ich sehr nette Mitstudierende, die mich besonders in der ersten Zeit an die Hand genommen und mir geholfen haben mich im Studium zu orientieren. 


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