Zwei Studierende, die an einem Laptop arbeiten

Université Sorbonne Paris Nord, Frankreich

Blogeintrag 6 – Sprichst du Französisch?

Diesen Eintrag möchte ich gerne dem Thema Sprache widmen, da es einen sehr großen Teil meiner Erfahrungen hier in Frankreich ausmacht. Ohne Sprache kann man sich nicht verständigen, nicht einkaufen, keine Vorlesungen besuchen und vor allem keine Beziehungen aufbauen. Sprache ist der Schlüssel, Anschluss zu finden und das gilt meiner Meinung nach nicht nur hier in Paris, sondern überall.

Da ich in Französisch eine Abiturprüfung hatte und im ersten Semester ein Wahlmodul in Französisch belegt habe, war ich, was meine Sprachkenntnisse betrifft, zum Zeitpunkt meiner Ankunft nicht auf Stand Null. Dennoch war es herausfordernd, plötzlich alle Gespräche auf Französisch zu führen und nicht selten war ich dazu geneigt ins Englische zu wechseln. Die französische Sprache besser zu lernen war einer der Hauptgründe, weswegen ich als Standort meines Erasmus-Semesters Paris gewählt habe. Umso besser also, dass ich in meiner Klasse als einzige Nicht-Muttersprachlerin gezwungen war, mit meinen Komiliton:innen französisch zu sprechen.

Die ersten Wochen waren hart, das will ich nicht verheimlichen. In den Pausen habe ich mich zu den anderen gestellt, jedoch ist das Gespräch so schnell hin und her gewechselt, dass ich letzten Endes kein Wort verstanden habe. Somit konnte ich auch keinen Beitrag zum Gespräch leisten, außer jemand sprach mich direkt an und hatte die Geduld, jeden Satz drei Mal zu wiederholen und zu warten, bis ich mir eine Antwort im Kopf zurechtgelegt hatte. Ich war die Person, die danebensteht und nichts von sich gibt, weder Fragen stellt, noch etwas von sich erzählt. Eine solche Person wirkt eher desinteressiert und nicht so, als würde sie sich Mühe geben sich zu integrieren, oder?

Ich habe mich an Situationen zurückerinnert, in denen es mir manchmal zu anstrengend war, den extra Aufwand zu betreiben um mit Menschen, deren Muttersprache nicht deutsch ist, ins Gespräch zu kommen. Die Erfahrung gemacht zu haben, die Person zu sein, die in einer Gruppe außen vor ist und einem Gespräch nicht ohne Weiteres folgen kann, hat mir in dieser Hinsicht sehr die Augen geöffnet. Wie dankbar war ich, Menschen zu treffen, die sich die Zeit genommen haben, mir zuzuhören und sich Mühe gaben, so langsam zu sprechen, dass ich sie verstehen kann. Eine solche Person möchte ich in Zukunft auch sein und sensibler reagieren, wenn ich merke, dass in einer Gruppe Menschen sind, die die gesprochene Sprache nicht verstehen.

In der Ferienwoche, die ich im März hatte, habe ich spontan einen Kurztrip nach Le Havre und Étretat (manch einer kennt diesen Ort vielleicht aus der Serie „Lupin“) unternommen. Als Alleinreisende kam ich dort nach einem Gottesdienst, den ich spontan besucht habe, mit einer netten Frau ins Gespräch, die mich zum Abendessen in die Nachbargemeinde eingeladen hat, da an diesem Abend deren wöchentliches Treffen junger Erwachsener stattfand. Natürlich nahm ich die Einladung an und so fand ich mich etwa eine Stunde später vor einem Teller Reis (warum es „nur“ blanken Reis zu essen gab, konnte ich leider nicht herausfinden, aber scheinbar ist das deren Ding), umgeben von netten Französinnen und Franzosen, mit denen ich schnell ins Gespräch kam und mir Tipps für meine nächsten Tage holen konnte. Doch wie das so ist, war es für mich auch ab und an schwer dem Gespräch der sich schon kennenden Gruppe zu folgen. Neben mir saß Walid, der, wie sich später herausstellte, vor drei Jahren aus Ägypten nach Frankreich gekommen ist. Ich habe mich viel mit ihm unterhalten. Unter Anderem darüber, dass man oft versucht einem Gespräch zu folgen und wenn man das Gefühl hat, endlich zu Wissen um was es gerade überhaupt geht, ist das Thema schon wieder ein ganz anderes. Ich habe mich sehr verstanden gefühlt. Er hat mir einen Rat gegeben, der es mir anschließend sehr erleichtert hat mich in Gruppen zu integrieren, in welchen ich Sprachschwierigkeiten hatte: „Wenn du merkst, dass du aus dem Gespräch aussteigst, weil die Themen zu schnell wechseln oder die Leute zu schnell reden, dann fang einfach ein neues Thema an. Das ist die einzige Möglichkeit sich daran zu beteiligen."


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