Studierende in einem Labor

Diakonie FH Helsinki, Finnland

Blogeintrag 3 - Moi moi aus dem Norden!

Diesmal habe ich lange überlegt wo ich anfangen soll… daher habe ich mich erst mal für ein finnisches Hallo entschieden!
Mittlerweile ist es schon Oktober, finnisch Lokakuu – die Finnen haben sehr viele u und y und ä aneinandergereiht – und ich hatte meinen ersten Besuch aus der Heimat. Gar nicht so einfach sich ein Programm zu überlegen, man möchte ja schließlich was bieten!

Wir besuchten also Soumenlinna, die Ferien- und Erholungsinsel der Finnen (quasi das schwedische Gotland) und ließen uns erst mal ordentlich durchpusten, es war ganz schön windig. Ich war schon ein paar Mal im August dort - die Insel verdient wirklich Erwähnung. Das schöne ist, dass das normale Travelticket für Bus und Bahn auch für die Fähre zur Insel gültig ist!
Soumenlinna - Soumi als finnische Bezeichnung für Finnland - ist Weltkulturerbe und war in früheren Marinezeiten besonders im Krieg von Bedeutung. Auch heute erinnern ein Leuchtfeuer und Kanonen am Inselende noch an die Tradition der Kriegszeiten.
Der Blick von der Küste dort über das Meer ist unbezahlbar! Ist das nicht der Wahnsinn?

Helsinki hat sich wirklich von seiner besten Seite gezeigt und die Sonne hat nochmal ordentlich geschienen... es ist unglaublich, wie das Wetter entscheidend dazu beiträgt, ob man eine Stadt mag oder nicht.
Neben der White Church, gingen wir zur orthodoxen Uspenski- Cathedral, zum Hafen mit seinem berühmten Market-Square, zur Markthalle und in den Park – halt all das, was man so sehen sollte.
Der Market-Square ist direkt am Hafen, wo lauter kleine Zeltchen mit finnischem Essen, Souvenirs oder gestrickten Mützen stehen. Dort ist auch das große Riesenrad, dem im Sommer ein neuer Saunapark angebaut wurde. Die Finnen lieben ja ihre Saunas, fast jedes Haus hat eine eigene, und auch bei uns im Wohnheim gibt es eine. Und als ob das nicht alles schon verrückt genug wäre, gibt es sogar im Riesenrad zwei Kabinen, die als Sauna umfunktioniert wurden!
Die Finnen sind was das Saunieren angeht definitiv nicht zimperlich und halten ganz schön was aus. Als ich mal im Mäkelenrinne-Schwimmbad in der Sauna war (jedes Schwimmbad hat kostenlose Saunen!!), heizte eine Omi so dermaßen ein, dass ich mich restlos geschlagen geben musste.

In der Uni standen einige interessante Projekte an, unter anderem ein Besuch in einer finnischen Einrichtung, die Familientherapien anbietet, und ein Praxistag an dem wir unsere „work skills“ üben konnten. Die Uni lief also!

Mein Highlight in der ersten Hälfte des Oktobers, war aber zweifelsfrei meine Reise nach St. Petersburg. Seit ich als Kind den Zeichentrickfilm „Anastasia“ gesehen habe, wusste ich, dass ich diese Stadt irgendwann sehen muss. Und hier war sie, meine Chance! Wir fuhren also nach St. Petersburg, dem Fenster nach Europa wie Peter der Große sagte, und wie ich nun sagen möchte, eine der pompösesten, beeindruckendsten und buntesten Städte, die ich bisher gesehen habe.
Am Abend ging es mit dem Schiff Richtung Russland, auf dem wir dann auch die erste Nacht verbrachten. Das war vielleicht ein Erlebnis!! So richtig viel Platz hat man in so einem Schiffskabinchen ja nicht, geschweige denn ein Fenster, aber sie wurde ja sowieso nur zum Schlafen genutzt... wobei das Schlafen für manche nicht so einfach war, da es in der Nacht etwas stürmisch war und das ganze Schiff gewackelt hat. Meine Namenskollegin aus Österreich, die wir liebevoll (!) Ösi-Eva nennen, wird glaube ich so schnell keine Schiffstouren mehr machen.
Jedenfalls ist auf so einem Schiff ganz schön was geboten. Es gab Karaoke, Casinos und mehrere „Lounges“, wo Musik- und Tanzshows stattfanden, die sich meiner Meinung nach aber eher auf den Geschmack des männlichen Publikums fokussierten, was sich bei dem Gekreische der männlichen Zuschauer beim Anblick leicht bekleideter Damen schnell herauskristallisierte – aber natürlich alles im Rahmen, schließlich waren auch kleine Kinder unter den Zuschauern dabei!
Am nächsten Morgen kamen wir in St. Petersburg an und mussten erst mal 2!! Stunden an der Passkontrolle anstehen. Da wir nur 72 Stunden auf russischem Terrain waren, hatten wir eine Visa-Free Reise und durften ins Land (Halleluja!). Mein erster Stempel!

Diese Stadt verzaubert! Sie verzaubert mit Ihrer Diversität, Schönheit und ihrem Pomp.
Durch St. Peterburg fließt die Njewa, in die angeblich der böse Zauberer Rasputin geworfen wurde und ertrank.
Um den Fluss reihen sind zahlreiche prunkvolle Gebäude, wie das Hermitage- Museum und die gigantischen Paläste von Peter dem Großen.
Peter I. schenkte zudem jedem seiner Kinder (10<) zur Vermählung einen Palast und ließ dabei Kosten und Mühen nicht scheuen. St. Petersburg ist sein Erbe!!

Herausragend war die Church of the Savior on Spilled Blood, mit ihrem orientalischen Tatsch. Ich konnte gar nicht aufhören, Fotos von ihr zu machen, einfach atemberaubend! Man fühlte sich kurzzeitig wie bei Aladin in „1000 und einer Nacht“!
In Moskau steht wohl eine ähnliche, die sogenannte Basilius-Kathedrale.
Russlands Herzstück hätte ich auch gerne noch gesehen, aber man kann ja nicht alles mitmachen und die Uni forderte ja auch ihre Tribute und wollte nicht vernachlässigt werden.
St. Petersburg hat jedenfalls einen ganz besonderen Charme, was man von den Einheimischen jedoch nicht so ganz behaupten kann!
In St. Petersburg weht schon ein etwas anderer Wind und mit Englisch kommt man auch nicht sehr weit, dann sogar eher noch mit Deutsch. Vielleicht ist es auch der Tourismus, der viele Einwohner mittlerweile etwas nervt?
Russland ist für uns Europäer im Moment vergleichsweise richtig günstig, der Rubel ist ziemlich schwach. Eine typisch russische Pastete kriegt man für umgerechnet 30 Cent oder einen Cheesburger bei Mc Donalds für 60 Cent. Die Pasteten waren ein Gedicht!
Und auch alle Matroschka-Liebhaber, wie ich es bin, kommen hier nicht zu kurz, es gibt wirklich entzückende Schlüsselanhänger!
Und das Beste kommt ja bekanntlich zum Schluss... an unserem letzten Abend besuchten wir das Ballett „Schwanensee“ im Hermitage- Museum. Ein absoluter Höhepunkt für mich. Ich hätte mir nie erträumt, dass ich das einmal hautnah in St. Petersburg erleben darf, es war bezaubernd und großartig!!

Ja und schwups war alles schon wieder vorbei...
Das Schimpfwort „Prüfungsvorbereitung“ steht die nächsten Tage im Focus, da wir bald unsere letzte Prüfung haben. Dass die Klausuren im Erasmus so easy peasy sein sollen, kann ich nicht bestätigen. Die Noten bekommt man hier nicht hinterhergeworfen.
Trotzdem hat sich bisher alles gut unter einen Hut bringen lassen und ich bin gespannt was die zweite Oktoberhälfte bringt. 


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