Studierende im Gespräch

Universität Bologna, Italien

Blogeintrag 2 - Tschüss Würzburg – Ciao Bologna

Liebes Tagebuch,

Ciao Bologna – du wunderschöne Stadt. Mit gefühlt meinem ganzen Kleiderschrank und noch mehr Erwartungen im Gepäck bin ich endlich angekommen. Merke: Nicht nur in Würzburg ist der Winter kalt und grau - nein - sondern auch in Italien. Zur meiner Enttäuschung begrüßte mich die Stadt mit nasskaltem Wetter und wolkenbedecktem Himmel. Italien gleich immer Sonne stimmt also doch nicht ganz (zumindest in Norditalien). Nach meiner neunstündigen Zugreise gönnte ich mir zuerst einmal ein Taxi zu der Wohnung und kam völlig erschöpft dort an. Ludovica, meine neue Mitbewohnerin und ihr Dackel Sophie begrüßten mich gleich herzlichst und ich fühlte mich in der schönen Wohnung, die zu einem Park hin und ziemlich zentral liegt, sofort sehr wohl. Todmüde von der Reise, dem Stress in Würzburg und der Klausur, die ich am Vortag noch total erkältet geschrieben hatte, schlief ich in meinem neuen 90- Zentimeter- Bett wie ein Stein.

Der erste Tag – Il primo giorno

Aufgewacht. Wo bin ich? Ein paar wenige Sonnenstrahlen, die durch den Rollladen blitzten, weckten mich und ich realisierte, dass ich in Bologna war. Mein Magen erinnerte mich daran, dass er seit mehreren Stunden nichts Nahrhaftes mehr gegessen hatte und ich beschloss zuerst einmal einkaufen zu gehen.
Einkaufen in Italien unterscheidet sich jedoch etwas vom gewohnten Einkaufen in Deutschland. Erstens fasst man das Gemüse in der Gemüseabteilung nicht mit der bloßen Hand an, sondern immer mit einem Plastikhandschuh. Zweitens sind beispielweise Bananen noch einmal extra in Plastik eingepackt. Wieso?!? Für mich macht das wenig Sinn und ist einfach nur ein weiterer Beitrag zur Umweltverschmutzung. Zuhause wasche ich das Obst und Gemüse vor dem Gebrauch sowieso. Aber gut, die Italiener machen es eben so. Da mein letzter Italienaufenthalt nun auch schon mehr als vier Jahre zurückliegt, fasste ich zuerst einmal alles mit der bloßen Hand an und erntete nicht wenige entsetzte Blicke ... ups. Ein weiterer Unterschied ist, dass man sich an der Fleisch- oder Fischtheke nicht einfach anstellen kann, sondern immer eine Nummer ziehen muss. Also stand ich zuerst einmal zehn Minuten vor der Theke und fragte mich, woher die anderen Einkäufer eigentlich wissen, wann sie drankommen. Nach zehn Minuten Zeitverschwendung erinnerte ich mich wieder, dass man hier ja eine Nummer ziehen muss. An der Kasse dann der Schock: Lebensmittel in Italien sind so viel teurer als in Deutschland. Ich bezahlte ungefähr das Doppelte, wie im heimischen Aldi.
Der italienische Supermarkt hat jedoch auch mehrere Vorteile. Es gibt ganz andere Lebensmittel als bei uns in Deutschland und natürlich eine Riesenauswahl an den verschiedensten Sorten Pasta und Käse. Auch die Süßwarenabteilung lässt keine Wünsche offen. Außerdem muss man sich an der Kasse nicht so sputen, wie beispielsweise bei Aldi oder Lidl. Da ich eher ein gemütlicher Mensch bin, gefällt mir das am besten. Zuhause ist das Einpacken der Einkäufe an der Kasse mit einem Wettlauf zu vergleichen. Hier in Italien stört es keinen, wenn man mal fünf Minuten länger zum Einpacken braucht.

Als ich das Einkaufen erfolgreich hinter mich gebracht hatte, wollte ich so schnell wie möglich soziale Kontakte knüpfen. Es ist ein komisches Gefühl so ganz neu und alleine in einer unbekannten Stadt zu sein. Obwohl man Zuhause viele Freunde hat, fühlt man sich doch irgendwo einsam. Um nicht gleich Heimweh zu bekommen, redete ich mir schnell ein, dass ich nicht die Einzige hier war, der es so erging. Alle anderen Erasmusstundeten stehen vor dem gleichen Problem: Wo und wie finde ich hier neue Freunde? Vor meiner Abreise hatte ich, aufgrund der Verwirrung im Zusammenhang mit der Kurswahl, eine österreichische Studentin angeschrieben, die ebenfalls Soziale Arbeit studiert. Ich hatte sie in der Facebook – Erasmusgruppe entdeckt. Glücklicherweise hatten wir beide am gleichen Tag das mündliche Vorsprechen für den Sprachkurs und vereinbarten uns zusammen auf den Weg dorthin zu machen. Ich war sehr froh, dass ich, meine Mitbewohnerin eingeschlossen, schon zwei Personen in Bologna kannte. Da fühle ich mich doch schon gleich nicht mehr so alleine. Tesi und ich trafen uns schließlich an den „Due Torri“. Die zwei schiefen Türme im Zentrum von Bologna sind wirklich unübersehbar. Mitten in der Stadt ragen sie hervor. Sie sind unglaublich schief und bei genauerer Betrachtung fragt man sich, wie sie trotzdem stehen können. Mit Google-Maps machte ich mich also auf den Weg in die Stadt und war selbst von mir erstaunt, dass ich auf Anhieb unseren Treffpunkt fand. Der Orientierungssinn zählt nämlich leider nicht zu meinen Stärken. Tesi und ich sahen uns, unterhielten uns und stellten glücklicherweise fest, dass wir uns richtig gut verstehen. Ich bin unfassbar froh in den ersten Tagen schon so eine nette Freundin hier gefunden zu haben. Das Vorsprechen im Sprachzentrum CLA (Centro Linguistico di Ateneo a Bologna) war nicht sehr spektakulär. Die Lehrerin bat einen in das Klassenzimmer und man plauderte ein bisschen. Das Level des Sprachkurses bekomme ich dann im Laufe er nächsten Woche mitgeteilt und kann mich daraufhin im Internetportal des CLA einschreiben. So, nun steht das erste Wochenende in Bologna vor der Tür. Das bedeutet, ich habe ganze drei Tage Semesterferien, denn am Dienstag beginnt die Universität. Ich bin schon ganz gespannt!


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