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Universität Bologna, Italien

Blogeintrag 3 - Ein Wochenende Semesterferien

Fahrräder und Bologna gehören genauso zusammen, wie Würzburg und Wein. Überall in den Straßen sieht man alte, verrostete Fahrräder. In Deutschland wären solche Fahrräder schon längst auf dem Müll gelandet. Da die Stadt nicht allzu groß ist (um die 386.700 Einwohner), kann man alles einwandfrei mit dem Fahrrad erreichen. Deshalb beschloss ich, mir ein Fahrrad zu beschaffen. Ich hatte Glück und wurde in der Facebook-Erasmusgruppe gleich fündig. Meistens überschneidet sich das Abreisedatum und Anreisedatum der Erasmusstudenten, die im Winter- und im Sommersemester in Bologna abreisen und ankommen. Deshalb werden zu Beginn des Sommersemesters sehr viele Fahrräder verkauft. Ich war sehr froh so schnell ein Fahrrad gefunden zu haben und zudem noch mit einem guten, dicken, schwarzen Schloss. Ein sicheres Fahrradschloss ist in Bologna wertvoller als das Fahrrad selbst, denn man kann sich glücklich schätzen, wenn es am nächsten Morgen noch vor der Tür steht. Fahrräder werden hier gestohlen und dann für wenig Geld wieder verkauft. Man könnte es als einen Kreislauf bezeichnen, der nie enden wird. Deshalb hoffe ich, dass ich mich nicht sofort wieder von meinem neuen Drahtesel verabschieden muss, denn bei mir gibt es weder die keine Möglichkeit das Fahrrad im Hinterhof abzustellen, noch es mit in die Wohnung zu nehmen.

Meine erste Fahrt mit dem neugekauften Fahrrad könnte man als aufregendes Abenteuer bezeichnen. Vor meinem inneren Auge sah ich mich schon im nächsten Krankenhaus erwachend. Erstens gingen die Bremsen kaum, zweitens fahren die Italiener Auto wie sie eben Auto fahren. Chaos auf der Straße! Mit Angstschweiß auf der Stirn versuchte ich mich irgendwie diesem außergewöhnlichen Fahrstil anzupassen und mich irgendwo zwischen Bussen, Autos, Motorradfahrern und anderen Autofahrern einzureihen. Völlig fertig kam ich in meinem Stadtteil an und musste zuerst einmal diese verrückte Verkehrssituation verarbeiten. Und hier sollte ich sechs Monate mit meinem Fahrrad fahren und dabei auch noch unverletzt davonkommen?! Vielleicht hätte ich es doch beim Laufen belassen sollen. Obwohl das für einen, an Verkehrsregeln gewöhnten, deutschen Fußgänger ungefähr genauso gefährlich wäre, wie mit dem Fahrrad zu fahren. Am Zebrastreifen hält hier sowieso niemand an. Man muss einfach loslaufen und hoffen, dass das Auto sich entscheidet zu bremsen. Zudem schießen aus jeder Ecke Motorradfahrer hervor. Alle Fußgänger laufen über rote Fußgängerampeln. Ich fühle mich fast schon schlecht, wenn ich einfach stehen bleibe und nicht auch über Rot laufe, wenn kein Auto kommt. Okay, daran muss ich mich zuerst einmal gewöhnen. In Bozen damals lief das doch noch alles etwas gesitteter ab, was vielleicht daran liegen könnte, dass Bozen in Südtirol liegt und definitiv mehr österreichisch als italienisch ist. Aber nun genug von der Verkehrssituation und wieder zurück zu meinem „Wochenende Semesterferien“ in Italien und wie man am schnellsten soziale Kontakte knüpft.

In Bologna gibt es zwei Organisationen speziell für Erasmusstudenten: ESN-Bologna und Erasmusland. Beide veranstalten unterschiedliche Partys, bieten Tagesausflüge in verschiedene Städte oder längere Städtetrips an. Sprich, ESN und Erasmusland heißen zwar unterschiedlich und konkurrieren auch eher, als dass sie kooperieren, aber haben eigentlich genau dasselbe Angebot an Ausflügen und Veranstaltungen. Um an deren Veranstaltungen teilnehmen zu können oder in Club und Bars Vergünstigungen zu erhalten, muss man zehn Euro für eine Mitgliedschaft und eine Mitgliedskarte bezahlen.
Tesi und ich beschlossen also am Freitagabend, nach meinem gelungenen Fahrradkauf, uns auf ein ESN-Event zu begeben, um neue Menschen kennenzulernen. Schließlich waren wir beim sogenannten „Tandem“ in einer kleinen Bar. Beim diesem gibt es verschiedene Tische an denen verschiedene Sprachen gesprochen werden. Wir setzen uns also an den „deutschen Tisch“ und unterhielten uns mit Italienern, die deutsch lernen wollen. Auf dem Event lernten wir gleich zwei Jungs aus Modena (eine kleine Stadt neben Bologna) kennen, mit denen wir uns am nächsten Abend zum „Apericena“ und Feiern verabredeten. Nachdem der erste Freitag in Bologna zufriedenstellend endete, freute ich mich schon auf den Samstagabend. Das Wort „Apericena“ hatte ich, trotz meines einjährigen Aufenthalts in Bozen, jedoch noch nie zuvor gehört und konnte mir überhaupt nichts darunter vorstellen. Es musste eine Mischung aus Aperitivo und Cena, was Abendessen bedeutet sein. Ich kannte nur „Aperitivo“, was es so ähnlich ja auch schon in Deutschland gibt. Man trinkt vor dem Abendessen einen Spritz in einer Bar und bekommt einen kleinen Snack dazu. Die Italiener genießen zum Teil ihren Aperitivo schon ab Mittag. Wenn man durch die Straßen Bolognas schlendert, sieht man an jeder Ecke Bolognesen, die sich ganz gemütlich einen Spritz gönnen, sich lauthals unterhalten und Chips oder andere Kleinigkeiten dazu essen. Das Aperitivo-Trinken gehört hier zum Leben dazu, wie in Würzburg der Shoppen auf der Alten Mainbrücke. Apericena jedoch überbietet den normalen Aperitivo über einiges. Zusätzlich zum Aperitivo gibt es hier noch ein Buffet, bei dem man Essen kann, so viel man will und nur wenig Geld bezahlt (zwischen 5 und 8 Euro). Tesi und ich waren so von entzückt von dem italienischen Buffet, dass wir ungefähr das Dreifache wie die Jungs verputzten. Nachdem wir uns den Bauch vollgeschlagen hatten, ging es dann in einen Club namens „Qubo“, der mitten in der Stadt liegt. Auch hier kommen Erasmusstudenten mit der Erasmuslandkarte einen vergünstigten Eintritt. Die Disko war unglaublich voll und es hatte gefühlt vierzig Grad, aber das Schwitzen lohnte sich und es war wirklich ein gelungener Abend.

Meine Semesterferien hier waren zwar kurz, aber dafür richtig schön! 


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