Blick in einen Hörsaal

Universität Bologna, Italien

Blogeintrag 8 - After-Erasmus-Depression

Ja, es gibt sie wirklich: Die After-Erasmusdepression. Auch mich hat sie erwischt. Ich sitze auf meinem Bett umgeben von drei zur Hälfte ausgepackten Koffern und das schon seit 3 Tagen. Irgendwie kann ich mich nicht bewegen, kann nichts aufräumen, will nicht raus. Letzteres könnte auch einfach daran liegen, dass es ununterbrochen regnet und circa 16 Grad hat. In Bologna hatte es am Tag meiner Abfahrt 36 Grad. Willkommen in Deutschland! Nicht nur das deutsche Wetter macht mir zu schaffen, sondern auch diese unerträgliche Stille, die hier in meinem Heimatdorf herrscht. Gehe ich jetzt zur Tür heraus, befinde ich mich nach zehn Minuten Fußweg nicht mehr in der wunderschönen Altstadt Bolognas, sondern im nächstbesten Maisfeld. Na Danke! Mir fehlt jetzt schon das italienische Geplapper um mich herum, der Geruch von Pizza auf der Straße, die langen Sommernächte und überhaupt vermisse ich mein lockeres Erasmusleben mit allem drum und dran.

Die letzten zwei Wochen in Bologna waren richtig schön. Ich bin noch ein letztes Mal nach Ancona ans Meer gefahren, um ein wenig Meerluft zu schnuppern ehe der Alltag in Deutschland wieder weitergeht. Der Abschied von den restlichen Freunden und von der Stadt bevor ich am Abend in den Flixbus nach Karlsruhe gestiegen bin, war schlimm. So traurig war er besonders deshalb, weil ich weiß, dass ich manche Menschen, die ich während des Auslandssemesters sehr lieb gewonnen habe, wohl erst in einem halben Jahr oder mehr wiedersehen werde. Aber auch das Erasmussemester hat ein Ende und damit muss ich mich jetzt zuerst mal abfinden.

Nach 13,5 Stunden ätzender Busfahrt durch gefühlt halb Europa war ich heilfroh, als ich morgens am Bahnhof ankam und ich Zuhause endlich wieder meine Familie und Freunde in die Arme schließen zu können. Auch wenn der Abschied aus Bologna traurig war, war das Wiedersehen meine Liebsten umso schöner.

Natürlich ist es super Freunde und Familie nach einiger Zeit wiederzusehen, aber irgendwie stecken alle hier wie gewohnt in ihrem Alltag, ich jedoch muss zuerst einmal wieder in meinen Alltag reinfinden. Obwohl Umgebung, Menschen und Sprache nach circa zehn Sekunden nach der Ankunft vertraut waren, brauche ich noch ein bisschen bis ich richtig angekommen bin und mich mit meiner derzeitigen Situation abgefunden habe. Für mich bedeutet der Abschluss des Erasmus nämlich nicht nur das Ende eines sechsmonatigen Italienaufenthalts, sondern auch das Ende meines Studiums. An den Gedanken, dass in circa zwei Monaten das richtige Arbeitsleben beginnen wird und ich die Zeit in Würzburg hinter mir lassen werde, muss ich mich nun gewöhnen. Aus der lockerleichten Erasmusblase, in der ich ziemlich wenig Verantwortung hatte, rutsche ich nun mit voller Wucht in den stressigen Alltag hinein und das muss ich zuerst Mal verkraften.

Und während ich mir dann zum zwanzigsten Mal in diesen drei düsteren Tagen die Bilder aus Italien anschaue und die glücklichen Gesichter darauf mich anlachen, dann weiß ich, dass es auf alle Fall die richtige Entscheidung war ein halbes Jahr lang in Bologna zu studieren und ich es immer wieder machen würde. Und etwas Positives hat die Rückkehr nach Deutschland dann doch: Ich kann endlich wieder über den Zebrastreifen gehen und die Autos halten wirklich sofort an!


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