Studierende im Gespräch

Universität Groningen, Niederlande

Blogeintrag 8 - My beloved Groningen

Wenn es am schönsten ist, soll man ja bekanntlich gehen und doch ist es mir schwerer gefallen als gedacht. Nicht nur die Stadt hab ich in mein Herz geschlossen, sondern auch alle besonderen Menschen, die ich in diesem halben Jahr kennen und lieben gelernt habe.

Manchmal sind aus zufälligen Begegnungen Freundschaften entstanden, manchmal haben Menschen einfach nur kurz meinen Weg gekreuzt, aber immer war es ein absolut einzigartiges und unvergessliches Erlebnis. So schnell ist dieses halbe Jahr verflogen, dass ich noch gar nicht ganz realisieren kann und mag, dass meine Koffer bereits gepackt sind und ich – nicht wirklich – bereit für die Heimreise bin.

Vor allem die letzten paar Wochen sind wie im Flug vergangen und ich habe für mich nochmal alles mitgenommen was geht. Meine kleine Schwäche für Trips in den Niederlanden konnte ich nochmal voll ausleben und die Käsestadt Gouda und Dordrecht besuchen. Das Wetter hätte besser sein können, aber was gibt es denn schöneres als zum Abschluss mit einer gehörigen Portion Wind, Regen und Kälte verabschiedet zu werden. :)

Die letzten paar Wochen habe ich wirklich jeden einzelnen Moment voll ausgekostet und doch hat es mir immer wieder einen kleinen Stich versetzt, wenn ich mich von meinen Freunden verabschiedet habe. Viele gute Freunde aus Taiwan oder Südkorea reisen noch einen weiteren Monat im Raum Europa herum, bis sie endgültig wieder zurück ans andere Ende der Welt fliegen. Natürlich sagt man, dass man Kontakt halten wird und sich auch gegenseitig mal besuchen kommt – WANN ist da nur die Frage! Ein Abschied für immer oder nur für ein paar Monate? Das kann man wohl nie sagen. Die Wahrscheinlichkeit ist zwar ziemlich gering und trotzdem stehe ich dem Ganzen positiv gegenüber. Man sieht sich doch schließlich immer zweimal im Leben. ;)

Schon seit dem Sommer hatte ich mir vorgenommen für ein Wochenende die schönste Insel in den Niederlanden „Schiermoonikog“ zu besuchen.

Leider hat es nie geklappt und ich war zugegebenermaßen ein bisschen enttäuscht. Man kann schließlich auch nicht alles mitnehmen, aber wie es der Zufall so wollte, konnte ich es mit meiner Freundin doch noch spontan organisieren und mit der Fähre übersetzen.
Ganz leichter Nebel waberte über die Dünen und legte sich teilweise komplett über die grünen Wiesen und Seen. Ich habe selten eine solche Ruhe und Gelassenheit gespürt. Keine Touristen… einfach nur diese unbeschreibliche Landschaft und natürlich dein Fahrrad. :)

In der letzten Woche haben mich dann viele meiner Freunde gefragt, welche Stadt mir am besten gefallen hat oder welche Momente und Eindrücke für mich am prägendsten waren. Was soll ich darauf antworten?

Für mich gibt es auf diese Frage keine kurze prägnante Antwort, denn alles was passiert ist, hat mich dazu gebracht, Dinge anders zu betrachten. Ich habe andere Kulturen kennengelernt, meine sozialen Kontakte auf die ganze Welt ausgeweitet, eine ganz andere Sichtweise bekommen und mich während diesem ganzen Prozess weiter entwickelt. Manchmal merkt man während dieser Zeit gar nicht, wie man sich verändert hat und stellt erst am Ende fest, dass man viele Dinge jetzt aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet.

Groningen lebt von den Studenten und genauso verkörpern die Studenten das Flair von Groningen. Genau das macht diese Stadt im Norden so unheimlich spannend. Es kann einfach niemals langweilig werden, denn man entdeckt immer wieder Neues. Für mich war und ist Groningen ein Zuhause. Weil zuhause für mich dort ist, wo ich mich wohl fühle, wo ich Freunde habe, die immer hinter mir stehen und auf die ich zählen kann. Solche Menschen habe ich während meines Auslandssemesters gefunden und deswegen kann ich gar nicht glücklich genug sein, genau diese Entscheidung getroffen zu haben.
Auch wenn die Niederlande für viele vielleicht recht unscheinbar wirken, steckt in diesem kleinen Land so viel Lebensfreude, Menschlichkeit und Entwicklungspotenzial, das wenn man mal Blut geleckt hat, sich nur schwer davon lösen kann.

Mir bricht es das Herz gehen zu müssen, doch ich weiß dass es kein Abschied für immer sein wird. Der Termin für meinen nächsten Besuch steht schon!


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