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Universität Krakau, Polen

Blogeintrag 2 - Erasmus-Studenten im Freizeitstress

18.03.2016 | Universität Krakau

Seit vier Wochen bin ich jetzt in Krakau. Allerdings habe ich in dieser Zeit so viel erlebt, dass es mir eher schon wie vier Monate vorkommt.
Als Start in das Semester hat das ESN-Team (Erasmus Student Network) der Universität die Orientation-Week organisiert. Eine ganze Woche lang gab es Vorträge, Workshops, Stadt-führungen und Partys. Hauptsächlich geht es in dieser Woche natürlich um eine Sache: neue Leute kennen zu lernen, mit denen man zum Beispiel gemeinsam die zahlreichen Cafés, Bars und Restaurants von Krakau entdecken kann.
Essen und Getränke sind wesentlich billiger als in Deutschland, für ein Essen zahlt man zwi-schen 12 und 25 PLN - das sind ca. 3 bis 6 Euro - und dank der Größe der Portion ist man danach auch wirklich satt. Traditionelle Gerichte wie Pierogi (Teigtaschen mit verschiedenen Füllungen) und Barszcz (eine Suppe aus roter Beete) sind natürlich ein Muss. Darüber hinaus findet man in Krakau Essen aus so gut wie allen Teilen der Welt und auch als Vegetarier kommt man - entgegen der Erwartungen, da die polnische Küche insgesamt doch sehr fleischlastig ist - gut zurecht. Einige Cafés haben sich sogar auf rein vegetarische Küche spezialisiert. Es ist also kein Wunder, wenn man in Krakau noch das Kochen verlernt, das Angebot zum Essen gehen ist einfach zu verlockend.

Das mit Abstand schönste Café habe ich aber übrigens in Lanckorona entdeckt, einem 2000 Einwohner großen Dorf in der Nähe von Krakau.

Eigentlich wollten wir die hübschen alten Häuschen dort anschauen, aber auf Grund von Dauerregen entschieden wir uns dann für Kaffee und Szarlotka, der traditionelle polnische Apfelkuchen. So haben wir in Mitten von Nirgendwo ein mit Liebe zum Detail eingerichtetes Café gefunden, das in jeder Großstadt massenweise Besucher anlocken würde.

Auf Ausflügen wie diesem möchte ich möglichst viel von Polen und Osteuropa kennenlernen und habe meine bisherigen Wochenenden deshalb kaum in Krakau selbst verbracht. Kleinere und größere Ausflüge führten mich unter anderem nach Wadowice, dem Heimatort von Papst Johannes Paul II. Die Kirche und Religion spielen in Polen eine wichtige Rolle und der erste polnische Papst gehört bis heute zu den am höchsten geachteten Persönlichkeiten des Landes.
Wadowice hat ein sehr modernes und interaktives Museum über das Leben und Wirken des Papstes zu bieten, sowie die örtliche Spezialität Kremówka, ein leckerer Cremekuchen.

Eine Woche später ging es dann mit einer bunt gemischten Gruppe von siebzehn Studenten aus sechs verschiedenen Ländern nach Zakopane, einem bekannten Skiort in den Bergen na-he der slowakischen Grenze. Hier kann man nicht nur Ski fahren, sondern auch sehr gut wandern gehen. Eine rund vierstündige Tour führte uns durch die verschneiten Berge zum See "Morski Oko" (Meeresauge). Zu dieser Jahreszeit ist der See noch zugefroren und man kann einfach quer zum anderen Ufer rüber spazieren.
Dieses Erlebnis und das Panorama waren das viele Ausrutschen auf den vereistem Wegen definitiv wert. Zum Erholen und Aufwärmen sind wir am nächsten Tag ins Thermalbad gefahren.

Fast schon ein Pflichtausflug ist für jeden Student in Krakau eine Fahrt in das nur 70 km ent-fernte Oświęcim und ein Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau. Die Ausstellungen, die die grausamen Taten der Nazis dokumentieren, sowie die unfassbare Größe des Lagers lassen einen schockiert, fassungslos und deprimiert zurück. Trotzdem lohnt sich ein Besuch in jedem Fall und jeder Mensch ist meiner Meinung nach dazu ver-pflichtet, sich mit der Geschichte auseinander zu setzen.

Übrigens besteht das Semester natürlich nicht nur aus Ausflügen, trotz allem Freizeitstress müssen auch Erasmus-Studenten mal die Uni besuchen. Die Kurse sind meist recht interak-tiv und bieten Raum für interessante Diskussionen. Außerdem besprechen wir zum Beispiel in Soziologie und Anthropologie nicht nur Theorien, sondern beschäftigen uns damit, wo man diese zum Beispiel im Alltag anwenden kann oder wo in unserer Kultur bestimmte Phänomene auftauchen, was ich sehr spannend find. Mein Ziel ist es für dieses Semester zu-dem, meinen kulturellen Horizont zu erweitern und ich glaube mit Vorlesungen über irani-sches Kino und Medienkunst aus Polen wird mir das ganz gut gelingen.

Das einzige, was mich hier bisher stört, ist die extreme Luftverschmutzung. Die Stadt steht auf Platz 3 der Städte in Europa mit der schlechtesten Luftqualität und an besonders schlimmen Tagen kann man den Smog auch gut erkennen. Hauptursache für die Verschmut-zung ist das immer noch sehr beliebte Heizen mit Kohle in vielen Privathaushalten und na-türlich spielt auch der Verkehr eine entscheidende Rolle. Eine Erkältungswelle hat sich zu Beginn des Semesters wie ein Lauffeuer unter allen Erasmus-Studenten ausgebreitet und die schlechte Luft trägt natürlich ihren Anteil zu dauerhaftem Husten und Halsschmerzen bei.

Ein Lichtblick in dieser Situation ist der sich langsam ankündigende Frühling und die Hoff-nung, dass sich das Ganze im Sommer verbessert, wenn die Kohleöfen nicht in Betrieb sind.


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