Studierende und ein Dozent vor einem Whiteboard

Universität Krakau, Polen

Blogeintrag 4 - Frühling in Krakau

24.04.2016 | Universität Krakau

Langsam wird es Frühling in Krakau und noch ist das Wetter zwar recht wechselhaft, aber sobald sich für ein paar Stunden die Sonne zeigt, zieht es alle nach draußen. Zum Glück gibt es in Krakau einige Parks und die Wiesen entlang der Weichsel, wo man sehr gut in der Son-ne spazieren gehen, entspannen oder lernen kann. Nur wenige Minuten von meiner Woh-nung entfernt sind zudem die Błonia-Wiesen, wo es am Nachmittag wimmelt von Joggern, Radfahrern und Inlineskatern. Damit ich auf meinem Rückflug im Juli auf Grund von reich-haltigem polnischem Essen und günstigem Bier nicht zwei Sitze für mich beanspruchen muss, habe ich ebenfalls angefangen Laufen zu gehen. Ich hoffe die anfängliche Motivation hält möglichst lange an...
Es gibt viele Ziele in und um Krakau, die bei gutem Wetter einen Ausflug wert sind. Als mei-ne Mutter zu Besuch war sind wir zum Kościuszko-Hügel spaziert. Der künstlich angelegte Hügel im Westen der Stadt ist dem polnischen Nationalhelden Tadeusz Kościuszko gewid-met und bietet eine tolle  Aussicht über die Stadt und die Umgebung.

Außerdem habe ich endlich die nach dem Marktplatz beliebteste Touristenattraktion der der Stadt besichtigt: Die Wawel-Burg, der ehemalige Sitz der polnischen Könige. Neben der inte-ressanten Architektur und dem hübschen Innenhof der Burg beeindruckt mich dort vor al-lem die Kathedrale, in der sich die Gräber von polnischen Königen und Künstlern befinden. Auch der 2010 verstorbene ehemalige Präsidenten Lech Kaczyński ist hier beerdigt, was  allerdings soweit ich gehört habe auch umstritten ist und von einigen Polen als unangemessen angesehen wird. Außerdem hat man vom Wawel eine tolle Aussicht auf die Weichsel und kann sich - insofern man daran glaubt - an einem Ort von besonders hoher Spiritualität wähnen, da sich hier manchen esoterischen Theorien nach bestimmte Chakren kreuzen sollen. Wir haben neugierig Ausschau gehalten nach Touristengruppen von Esoterikern, aber leider keine gesehen.

Letztes Wochenende wollte ich eigentlich einen Wanderausflug in die Tatra machen, aber bei 10 Grad und Dauernieselregen hätte das wohl wenig Sinn gemacht. Also musste ich mich in Krakau beschäftigen, was glücklicherweise auch kein Problem ist. Das Museum für moderne Kunst, MOCAK, ist meiner Meinung nach immer wieder einen Besuch wert, vor allem da ein Großteil der Fläche für temporäre Ausstellungen genutzt wird und es somit immer wieder etwas Neues zu sehen gibt. Zu meinen Favoriten gehört zudem auch das jüdische Museum Galicia. Eine ausführliche Fotoausstellung thematisiert die Spuren der ehemals in Polen weit verbreiteten jüdischen Kultur, die heute noch überall zu finden sind.

Einen Tagesausflug nach Rseszow und Łańcut im Osten Polens habe ich dann am Sonntag trotz schlechtem Wetter gemacht. Es war angenehm, auch mal in eine Stadt zu fahren die nicht so voller Touristen ist wie Krakau (obwohl es in Łańcut ein sehr schönes Schloss mit Parkanlage zu besichtigen gibt). Bereits jetzt sind die Straßen voller Reisegruppen, von Schü-lern bis Rentnern sind alle Altersklassen vertreten. Ich dachte mir, dass das ziemlich nervig sein muss für Krakauer Studenten und Bewohner, vor allem in den Sommermonaten ist die Stadt ein extrem beliebtes Reiseziel. Aber die Krakauer die ich bisher gefragt habe haben alle nur mit den Schultern gezuckt und gemeint „Naja, man gewöhnt sich daran“.

Eine der Sachen die ich von zuhause wirklich vermisse ist das Fahrradfahren. Zwar habe ich mir hier einige gebrauchte Fahrräder angeschaut, aber in einem wirklich guten Zustand wa-ren diese nicht und mir dann irgendwie auch keine knapp 400 PLN wert. Dafür habe ich die-se Woche an einem Fahrradausflug in den Ojców-Nationalpark teilgenommen. Die Erasmus-Teams der Krakauer Universitäten geben sich wirklich Mühe, ein vielseitiges und spannen-des Freizeitprogramm für die Erasmus-Studenten zu organisieren.
Die ca. 45 km lange Tour hat sich auf jeden Fall gelohnt, nicht nur für den Spaß am Fahrrad-fahren, sondern auch wegen der beeindruckenden Landschaft. Außerdem ist es immer wie-der angenehm, mal aus der Stadt rauszukommen, weg von Verkehrslärm und der nach wie vor ziemlich versmogten Luft.  
Unerfreulicherweise ist mir und meinen Mitbewohnern auch ein zweites Treffen mit der polnischen Polizei nicht erspart geblieben. Wie bei den meisten WG-Partys hier ist auch bei unserer Feier die Polizei vorbei gekommen. Allerdings konnten wir mit Hilfe einer polnischen Freundin die übliche Strafe von 500 auf 300 PLN runterhandeln und hatten zum Glück keine weiteren Probleme. Während ich in Deutschland noch keine Party gefeiert habe, die von der Polizei aufgelöst wurde, ist das für die polnischen Studenten  wohl mehr oder weniger nor-mal, vielleicht gilt auch hier das Motto „Naja, man gewöhnt sich daran...“.


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